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Den Luckauer "Leoparden" auf der Spur

 

Datum:  10.07.1995
Ressort:  Königs Wusterhausen
Autor:  Annett Kosche
 
Den Luckauer "Leoparden" auf der Spur
Denkmalgeschütztes Logenhaus wird restauriert / Geheimnisse der Freimaurer sollen gelüftet werden
 
Luckau.
 
Die Renovierung eines Gebäudes mit Geschichte in der Luckauer Brauhausgasse wird das Stadtbild bald anziehender machen. Einst Domizil der Freimaurerloge "Zum Leoparden", soll nach Fertigstellung der Räume nicht nur die Luckauer Musikschule einziehen. Auch die Freimaurer wollen sich hier wieder regelmäßig treffen.
 
Das ehemalige Logenhaus in Luckau befindet sich mitten im historischen Stadtkern und ist innen wie außen von hohem Denkmalwert. Bürgermeister Harry Müller ist froh, daß das Domizil der Freimaurer durch die Großloge "Zu den drei Weltkugeln" saniert wird. "Mit städtischen Mitteln wäre das nicht zu machen."
 
Rituale feiern
 
Das Sanierungskonzept des Logenhauses in der Brauhausgasse wird zur Zeit von der Denkmalschutzbehörde geprüft. Nach der Renovierung soll die Musikschule hier ihre neue Heimat finden. Platz für Übungsräume, Orchester und Tanzgruppen gibt es genügend.
 
Einen Teil der Räumlichkeiten wird die Berliner Johannis-Freimaurerloge "Zur Treue" - eine "Tochter" der Großloge "Zu den drei Weltkugeln" - nutzen, um Vorträge zu halten, Geselligkeit zu pflegen und karitativ tätig sein. Vielleicht wird irgendwann auch eine Logengemeinschaft wieder Rituale feiern. Dabei lassen die Freimaurer alte Traditionen der frühen humanistischen Ideen aufleben.
 
Augenzeugen gesucht
 
Das Ziel der Gemeinschaft "Zur Treue" ist es, die ehemalige Luckauer Loge "Zum Leoparden" wiederzubeleben. Reinhold Dosch, Mitglied der Berliner Loge, weiß aber, daß dieser Weg lang sein wird. Das ergibt sich einerseits aus dem Aufnahmeverfahren, andererseits durch das zu erlangende Wissen und die Kenntnis um die Freimaurerei.
 
Vorerst sind die Berliner bemüht, möglichst viel über die 1934 durch die Nazis geschlossene Loge "Zum Leoparden" zu erfahren. Dokumente gibt es kaum. So ist die Freude über Berichte von Augenzeugen aus den Familien von ehemaligen Freimaurern um so größer.
 
So erzählte kürzlich eine ältere Dame auf der ersten Veranstaltung der Berliner Loge "Zur Treue" in Luckau, daß ihr Vater "Leoparden"-Mitglied war. In ihrer Kindheit, so Dosch, habe sie die dort vollzogenen Dinge als sehr geheimnisvoll empfunden. Heute glaubt sie, daß Verschwiegenheit nur dem Schutz der Familie vor Anfeindungen und Repressalien seitens der Nazis in den dreißiger Jahren diente.
 
Andere Spuren der "Leoparden"-Gemeinschaft fand Reinhold Dosch im Luckauer Heimatmuseum. Die dortige wissenschaftliche Mitarbeiterin Anne-Christine Equitz fand heraus, daß die Loge 1809 in Lübben gegründet wurde und 1860 nach Luckau übersiedelte. In einer Vitrine sind Erinnerungsstücke mit freimaurerischer Symbolik zu sehen. Symbole - meist dem Maurerhandwerk entnommen, wie Winkelmaß, Zirkel, Wasserwaage, Hammer und Kelle - sind für Freimaurer sehr wichtig, um "Geistiges mit den Sinnen wahrnehmen zu können".
 
Regelmäßige Treffen
 
Noch lebende ehemalige Mitglieder der Loge "Zum Leoparden" zu finden, kann sich Reinhold Dosch nur schwer vorstellen. "Die müßten ein sehr hohes Alter haben, denn vor mehr als 61 Jahren kamen Luckauer Freimaurer letztmalig zusammen", weiß er.
 
Die Berliner Freimaurer haben sich vorgenommen, in Zukunft regelmäßig in Luckau über ihre Anliegen mit interessierten Männern und Frauen ins Gespräch zu kommen. Dabei hoffen sie, auch mehr über die Loge "Zum Leoparden" in Erfahrung zu bringen. Beispielsweise woher der Name "Zum Leoparden" stammt, möchte Reinhold Dosch sich und den anderen Mitgliedern der Berliner Loge besonders gern beantworten.
 
Die nächste Gesprächsrunde findet am 14. Juli um 20 Uhr im Restaurant "Schloßberg" in Luckau statt.
 
 
 
Quelle: berlinonline.de